Ranger-Tipps im Dezember

Begleiten Sie Rangerin Ricarda Rath zu aussichtsreichen Plätzen an die Elbe und in´s Umland.


Ruhezeit

Raureif am Blatt

Der November blieb sich treu und ging sonnenscheu durch seine Zeit. Kein farbenfroher Blättertanz im Rampenlicht. Und doch, sein Finale war ein Goldenes und wir wurden belohnt mit einem Supermond, wie er nur selten zu bestaunen ist. Längst haben gelborange Laubteppiche ihr Antlitz in ockerfarbene Töne getaucht und am Fuße alter Buchen leuchtet es kupferrot. Vielleicht verzaubert schon bald ein Winterwald und über die Landschaft legt sich ein schützendes weißes Band. Zeit für Besonnenheit. Wer der Natur behutsam über die Schulter schaut und nicht laut sondern leise durch die Adventszeit geht, wird in seiner Besinnlichkeit einen Kraftquell finden. Mit unseren Naturlandschaften liegt Ihr Premiumangebot direkt vor der Tür. Zögern Sie nicht.


Dezembermorgen

Dampfender Atem verrät die frostklare Nacht und gefrorene Grashalme brechen wie Glas unter den Füßen. Mit jedem Schritt zum Wasser wird es ein wenig lauter. Spannung liegt in der Luft. Wie viele werden es heute sein? Auf dem Beobachtungsturm bietet sich ein fantastisches Bild. Im rosaroten Morgenlicht zeigen sich die Silhouetten unzähliger Gänse, dazwischen leuchten Schwäne in strahlendem Weiß. Wintergäste aus dem hohen Norden, die hier ihren Süden finden. Plötzlich ein Donnergroll, ein Geräusch, das kaum zu beschreiben ist. Tausende Gänse erheben sich zugleich, kreisen, rufen, fliegen von links nach rechts und umgekehrt, ein Spektakel ohne Gleichen. Wer da wohl das Kommando gibt? Manche ziehen ab, andere setzen sich wieder. Zwischenruhe. Am Horizont taucht ein Seeadler auf.  Wieder ist der Luftraum von schnatternden Gänsen erfüllt. So geht es eine Weile, dann wird es still. Der junge Adler sitzt entspannt auf dem Eis, dreihundert Singschwäne in offenen Wasserstreifen dahinter. Entspannt Flügel schlagend, ein Morgenbad nehmend oder bei der Federpflege. Hier droht heute keine Gefahr.  


Einer wie der andere?

Singschwäne

Ihre melodischen Rufe machen Singschwäne zur stimmungsvollen Winterkulisse an Flüssen und Seen. Heute hält es sie lange am Moor, erst spät brechen die anmutigen Vögel zur Tagesrast auf. Wer genau hinsieht, entdeckt vielleicht einige Zwergschwäne, die nur schwer von ihren größeren Verwandten zu unterscheiden sind. Das Schnabelgelb ist beiden eigen, bei Singschwänen ist mehr Farbe im Spiel. Wussten Sie, dass nordische Schwäne an ihrem individuellen Schnabelmuster zu erkennen sind? Die schwarz-gelbe Verteilung macht jeden Vogel einzigartig, ähnlich einem Fingerabdruck. Die Sonne steht am königsblauen Himmel als die letzten Vögel den Schlafplatz verlassen. Mit der Dämmerung werden sie wiederkehren und es beginnt eine melancholisch singend klingende Nacht.


Kalte Füße

Wer nicht warm eingepackt ist, zu dünne Socken trägt und keinen heißen Tee im Rucksack hat, wird schnell vor Kälte zittern. Und bibbernd fragt man sich, wie es Vögel eigentlich aushalten, nächtelang in eisigem Wasser zu schwimmen, stundenlang auf dem Eis zu stehen und sich dennoch wohlzufühlen. Ihre nackten Füße sind kaum vor Kälte geschützt. Wie also machen sie das? Wintervögel verfügen über einen körpereigenen Wärmetauscher, der bestens funktioniert. Warmes und kaltes Blut laufen so dicht nebeneinander, das ein Energieaustausch problemlos möglich ist. Das warme Blut zu den Füßen gibt dem kalten in Richtung Körper seine Energie. Außerdem haben Bläss- und Saatgänse, Sing- und Zwergschwäne ziemlich kurze Beine. Achten Sie einmal darauf.




Einer wie Keiner

Winterpilz

Frost ist sein Lebenselixier, oder besser gesagt, erst leichte Minusgrade veranlassen ihn zur Fruchtbildung. Eine Besonderheit, die der Frostschneckling mit Austernseitlingen teilt. Beide wohlschmeckend, der eine klein, der andere groß.  Während der Baumpilz mit Masse überzeugt, an Rotbuchen wächst und sich von absterbenden Holz ernährt, gelingt es dem kleinen Bodenvertreter mit Menge zu punkten. Frostschnecklinge treten nie als Solisten auf, sondern stets im Ensemble. Locker wachsend unter lichten Kiefern, kann man sie sprichwörtlich mit der Sense mähen. Hellgelbe bis dotterfarbene Blätter machen ihn unverkennbar. Und abgesehen vom kulinarischen Genuss, steht ein Schneckling mit seinem Lieblingsbaum im engen Kontakt. Die Baumwurzeln sorgen für Kohlenhydrate und Vitamine, der Pilz liefert Nährsalze und  Wasser. Eine lebenslange Gemeinschaft und seine eigentliche Bestimmung.


Schöne Schwärmerei

Gänse im Schnee

Mit der kargen Jahreszeit halten Vogelschwärme Einzug in unsere Dörfer und Städte. Putzmunter  beleben sie winterliche Ruheräume. Eben noch in der Krone einer Birke, stieben sie zwitschernd auseinander um sogleich in der Pappel gegenüber zu landen. Kaum hat das Auge den neuen Rastplatz erfasst, geht es zurück in die Birke. Hier gibt es Nahrung. Wer jetzt zusammenrückt hat`s leichter. In der Abwehr von Feinden, bei der Futtersuche, im Schutz vor Kälte. Sperlinge und Meisen turnen in Gartenhecken, Wacholderdrosseln landen in Parkanlagen und  fremdartige Wintergäste tummeln sich in hohen Bäumen. Zweckgemeinschaften, die Überleben sichern.


Leise rieselt der ... Schnee?

Wenn es einmal  regnet, ohne das es regnet, steht man vielleicht unter einer alten Erle am See. Leise rieselt es auf trockene Bodenblätter, doch suchende Blicke finden keine Antwort. Was kann das sein? Fragend wandern die Augen eine Weile herum, schließlich am Stamm hinauf und ja, da turnt des Rätsels Lösung munter  im Geäst.  Ein Schwarm kleiner Vögel, es mögen um die dreißig sein, bietet Hochakrobatik vom Feinsten. Steil kopfüber, lässig schaukelnd oder hangelnd von Ast zu Ast, klauben sie mit ihren spitzen Schnäbeln Samen aus den Zapfen. Was daneben fällt sinkt zu Boden, so einfach können Lösungen sein. Erlenzeisige zieht es in der kalten Jahreszeit aus nordischen  Brutgebieten nach Mitteleuropa. Hier lebt es sich leichter. Und rieselt um die Weihnachtszeit der ersehnte Schnee zu Boden, verraten die kleinen Räuber ihr Tagwerk mit schwarz überzogenen Streuselchen auf  einem weißen Teppich.



Winterglanz mit Seidenschwanz

Seidenschwänze

Während ein Großteil unserer Kleinvögel in wärmeren Gefilden weilt, erhalten wir Zuzug aus dem hohen Norden. Vogelschwärme, die Feld und Flur durchstreifen, Stadt und Land durchstöbern. Einer, der auf der Suche nach Früchten und Beeren in Bäumen von Parks, Gärten und Alleen beobachtet werden kann, ist der exotisch anmutende Seidenschwanz. Aus der nördlichen Taiga in den Süden. Meist über kurze Strecken und manchmal bis zu uns. Nahrungsmangel und Invasionsdruck treiben die Vögel auf der Suche nach einem besseren Leben nach Mitteleuropa. Die hübschen Banditen mit schwarzer Augenmaske plündern Ebereschen, Obstbäume und sogar Misteln im hohen Geäst. Meist in kleineren Trupps. Ein Glück, wer die kleinen Räuber dabei beobachten kann. Durch ein Fernglas betrachtet, präsentieren sie ihr kastanienbraun seidiges Gefieder, ein flotte Federhaube, knallrote Flügeltupfer und gelbe Schwanzspitzen. Augen auf, wenn Sie einen Schwarm starengroß sirrender Vögel entdecken. Es könnte die bunte Gesellschaft sein.


Dezemberabend

Gänse im Abendlicht

Feuerrote Wolkenschleier bilden die Kulisse ziehender Gänseketten auf ihrem Weg an die Schlafgewässer. Pausenlos, ein Trupp nach dem anderen. Bis in die Dunkelheit sind die Nordischen auf dem Flug und erfüllen den Luftraum mit nasalen Rufen. Aus Osten erklingt Schwanengesang. Langsam kommen sie näher und überfliegen ihre Beobachter mit melancholischen Rufen. Dann ein weiterer Trupp. Ohne Gesang, aber mit lautem Flügelschlag. Höckerschwäne im Anflug. Allmählich verschwindet die Sonne hinter dem Horizont und der Mond klettert an ihre Stelle. Zeit für den Biber. Noch am Nachmittag habe ich das Werk seiner letzten Nachtschicht betrachtet, gleich wird er weitermachen. Eine Pappel zur Sanduhr geformt und ich bin gespannt, wann sie fallen wird. Auch Familie Nutria labt sich an Uferpflanzen, allerdings nicht nagend. Schwimmend sehen die gleichgroßen Tiere Bibern zum Verwechseln ähnlich. Einmal an Land, erkennt man den Unterschied. Ein Ententrupp zieht zügig vorbei, im Schilf verrät sich die Wasserralle und ein Zaunkönig präsentiert eine Strophe seines Könnens. Dann wird es still. Nur die Schwäne singen die ganze Nacht und wachen über unseren Schlaf.