Wer den Winter mit neuen Augen sehen, hinter Kulissen blicken möchte, der darf Rangerin Ricarda Rath bei Ihren Tipps im Monat Januar gerne begleiten.


Junges Jahr

Wintermorgen vor Sonnenaufgang

Goldene Fontänen, funkelnder Sternenregen und bunte Leuchtraketen verwandeln den dunklen Nachthimmel in ein lebendiges Potpourri aus Glitzerblüten. Mit einem Strauß schillernd schöner Feuerblumen begrüßen die Brandenburger das neue Jahr gewohnt glamourös. Im Antlitz berauschender Farbenmeere gehen Wünsche auf die Reise, deren Erfüllung wir zuversichtlich entgegensehen. Fernab der Metropolen ist es leiser. Beruhigend für jene, die auf Ohrenbetäubendes gern verzichten. Nebelgrau verabschiedete sich das alte Jahr und egal ob das junge mit Regentropfen, Raureif oder Eiskristallen seinen Einstand gibt, nichts ist belebender als der Duft von frischer Luft. Kleine Abenteuer inklusive.


Künstler und Akrobaten

Der Winter ist für alle eine harte Zeit. Kälte kostet Energie und jeder hat seine ganz  eigene Überlebensstrategie. Feldhasen buddeln Mulden im Schnee und lassen sich regungslos einschneien.  Schutz vor Kälte und  Wind. Meister der Tarnung ist das Hermelin, sein Kostümwechsel vom rötlichen braun in modisches weiß schützt vor Feinden. Was im Schnee angepasst erscheint, hat im Gras Signalwirkung. Milde Winter lassen Hermeline im Rampenlicht stehen, wenn das mal gut geht. Akrobatisch turnen Eichhörnchen im Geäst. Was uns waghalsig und lebensmüde erscheint, ist für sie alltäglich. Mal dient der buschige Schwanz als Balancierstange, mal als Fallschirm. Und wie praktisch, die eigene Wärmedecke immer dabei zu haben. Große Sprünge sind kein Problem und selbst bei strengem Frost inspizieren die Hörnchen ihre Vorratslager. Wer rechtzeitig gehamstert hat, schläft  auch entspannt. Manchmal tagelang.


Fischer ohne Fisch

Wie der Eisvogel zu seinen Namen kam? Da scheiden sich die Geister und geben Raum für Fantasie. Sein türkisblaues Gefieder erinnert an Gletschereis, das in der Sonne tiefblau leuchtet. Dabei sind Eiszeiten so gar nicht sein Metier. Gefrorene Gewässer bedeuten Lebensgefahr, ein Fischer ohne Fisch kann nicht lange existieren. In strengen Wintern verlieren die kleinen Vögel den Kampf gegen Kälte und Eis und wer es schafft, ist an offenen Stellen fließender Gewässer zu entdecken.              Kingfisher nennen Engländer klangvoll jenen Vogel, der das Fischen wie kein anderer beherrscht. Ihn zu beobachten ist pures Glück. Ein funkelnder Edelstein taucht blitzschnell ein und wird dabei  nicht einmal nass. Noch bevor man den blauen Vogel erblickt, künden helle Rufe von Königs Erscheinen. Mit sechzig Stundenkilometern schnellt das Juwel über Wasseroberflächen. Ohren gespitzt und Augen auf, jetzt stehen die Chancen  gut, einen Blick auf seine Majestät zu erhaschen. Und vielleicht lässt er sich auf einem Uferzweig nieder, welch herrlicher Anblick.


Goldgelber Glamour

Ein sattgelber Winterpilz

Der Sturm herbstlicher Wintertage weht sie direkt vor unsere Füße. Mit kleinen Ästen und Zweigen purzeln goldgelbe Zitterlinge hundertfach zu Boden und verschönern die triste Landschaft weithin leuchtend. Feuchte Witterung und milde Temperaturen sind ihr Lebenselixier und trocknen sie einmal aus, verleiht Regen neue Frische. Die gallertartig gewundenen Gebilde entsprechen so gar nicht der klassischen Vorstellung von einem Pilz und wer an die Bereicherung winterlichen Speisegenusses denkt, wird bitter enttäuscht. Geschmacklich unbedeutend, fade und zäh. Zitterlinge brechen aus der Rinde absterbenden Laubholzes und wachsen für uns unsichtbar, auf einem Wirt. Meist an Holzzersetzenden Rindenpilzen. Goldgelber Glanz dank eines anderen, erfreuen Sie sich an diesem Farbtupfer der Natur.



Was für ein Gewimmel

Der Kleiber ruft auch im Winter

Gibt es noch Menschen die meinen, Wälder sollte man ordnungshalber vom Totholz beräumen? Längst wissen wir, dass tote Bäume vor Leben nur so wimmeln. Aber der Reihe nach. Beginnen wir im Unterholz und klettern langsam hinauf. Bodenäste dienen Igeln als Unterschlupf. Vielleicht findet sich hier sogar ein Schlafrevier. Mäuse huschen darunter und in der Erde schlummert vielleicht jene Erdkröte, die schon im Herbst Obdach fand. Dicke Moospolster bedecken Käfer, Asseln und Egel, unter der Rinde schlummern Larven. Auf der Suche nach fetten Bissen laufen Kleiber auf und ab. Nebenbei wird eine Spechthöhle inspiziert. Vielleicht das neue Familienheim? Noch ist Zeit und sollte er sich dafür entscheiden, werden Umbaumaßnahmen nötig sein. Mit Ton oder Lehm den Eingang verkleinern, damit ungebetene Gäste draußen bleiben. Der Kleiber klebt also gern und schon wieder wäre ein Name erklärt. Vielleicht ist die Höhle schon bewohnt? Eng aneinander geschmiegt verschlafen Abendsegler den Winter im Wald. Zugfrei sollte es sein, dann geht’s. Besiedeln Porlinge alle Etagen, ist das Baumschicksal besiegelt. Unsichtbares Pilzgeflecht durchdringt das Holz und  bereitet Wege für Neues. Im Kronengeäst nehmen Bussarde ihre Sitzwarte ein. Aufmerksam und jederzeit zum Abflug bereit. Die Spitzmäuse sollten vorsichtig sein.


Kunsthandwerker?

Wanderstab für Gesellen

Haben Sie schon einmal den originellen Wanderstock eines Gesellen auf der Walz bewundert und sich gefragt, wie die spiralförmigen Windungen da hineingekommen sind? Drechsler, Dreher, Zimmermann? Falsch, das Geißblatt war`s, eine heimische Kletterpflanze die Bäume umschlingt und kräftig einschnürt. Der Baum kann der Umschlingung nicht entfliehen und wächst einfach aus ihr heraus. So entstehen rechtswindige Verschraubungen. Geißblatt und Co wachsen bevorzugt an feuchten Standorten und sind in Mischwäldern und Hecken zu entdecken. Ich fand das  kleine Kunstwerk am Moormühlenteich und lasse es weiter gedeihen. Auf der nächsten Rangertour heißt es dann: Lianen an den Quellen von Mellen.    


Überall ist Wunderland, überall ist Leben

Vielleicht nicht auf den ersten Blick, weil klein, fein und weniger prachtvoll. Der Zweite schaut genauer, findet vergangenes, erblickt gegenwärtiges, erspürt künftiges Leben. Nester in Hecken entdecken, Frühlingskinderstuben die einst gut behütet, dichtes Blattwerk verbarg. Wem sie wohl gehörten? In einer Baumspalte stecken Zapfen, darunter finden sich Berge leerer Früchte. Die Schmiede eines Spechtes, der hier Kiefersamen verspeist. Vom See tönen Seeadler herüber, ich belausche sie bei der Balz auf dem Eis. Auch Biber sorgen jetzt für Familiennachwuchs, nur strenger Frost und dickes Eis zwingen sie in die Burg. An einem Morgen mit frisch gefallenem Schnee empfiehlt sich die Spurensuche. Spannend zu sehen, wer hier seiner Wege ging und welche sich kreuzten. Während Schnee und Eis die Landschaft bedecken, künden Knospen vom fernen Frühling. Die ersten Blüten des Jahres liefert der Haselstrauch, schwer beladen mit Blütenstaub, der sich mit dem Winterwind auf Reisen macht.  Aufbrechen sollte jetzt auch Ihr Stichwort sein und vielleicht entdecken Sie mit etwas Fantasie bezaubernde Januarblüten.