Ranger-Tipps November 2016

Es ist ein bemerkenswertes Jahr. Dem trockenen August, dem sommerlichen September folgte ein trüber Oktober. Kaum eine Spur von Gold bis zuletzt und wer jetzt noch das Blätterfeuerwerk erleben möchte, wird auf einen Sonnenstrahl hoffen. Immerhin: Bis zum ersten Novembertag hat noch kein Herbstfrost die bunten Blätter von den Bäumen geeist.


Lieblingsblätter zum Mitnehmen

Wenn der goldene Oktober auch in vielen Regionen ausgefallen ist, so kann er doch in den Winter mitgenommen werden. Ein Stück weit wenigstens: Ein paar Lieblingsblätter mit nach Hause nehmen, wie die Großeltern in eine Zeitung von gestern packen und pressen. Und warten. Als Ergebnis steht federleichtes, natürliches Bastelmaterial für den ganzen Winter.

Das letzte Laub wird fallen und selbst danach sind viele Gehölze längst nicht kahl. In Hecken und Gebüschen turnen Vogelscharen auf der Suche nach nahrhaften Früchtchen durchs Geäst. Pelzig blaue Schlehen, rote (und juckende) Hagebutten schwarz bemützt, giftig rot-orange leuchtende Pfaffenhütchen, weinrot glänzende Weißdornbeeren...


Der Tisch ist reich gedeckt. Auch für Sperber, die aus dem Nichts auftauchen und häufig mit einem überrumpelten Federball in den Krallen ihren Hunger stillen. "Fressen und Gefressen werden" - das vielleicht erste und fast immer auch unnachgiebige Gesetz in der Natur gilt neben allen anderen.


Der Wechsel-Monat

Der November ist der Monat des Wechsels. Viele der oft an Gewässern rastenden Großvögel wie der große graue Kranich oder die zahlreichen Gänse- und Entenarten fliegen weiter gen Süden. Nach Frankreich, nach Spanien. Andere erwarten hier den ersten Schnee. Noch vagabundieren Kraniche in Hundertschaften über das Land und freuen sich am gelben Mais. Unüberhörbar, stets laut trompetend. Wenn sich ab und zu ein hohes Piepsen darunter mischt, ist das ein Jungkranich vor seinem ersten Winter.

Nach oben



Ein Wonnemonat?

November ist der Wonnemonat für Singschwanfreunde. Ihr Herz schlägt höher, sobald die ersten Gelbschnäbel einfliegen. Immer wieder ein wunderbares Erlebnis, ihrem nächtelangen Geplapper zu lauschen. Im Nationalpark Unteres Odertal, in den Biosphärenreservaten Schorfheide-Chorin oder Flusslandschaft Elbe.


Spurenleser

Dann noch die Pilze. Im Oktober waren sie rar, aber gut möglich, dass der November noch einige Überraschungen sprießen lässt. Leuchtende Fliegenpilze, die jeden Blick fangen. Oder unscheinbare, die sich selbst genug sind. Augen auf!

Zu guter Letzt sind da noch all die abgelassenen Teiche. Wer jetzt wissen möchte, was nachts hier passiert, der kann im Schlamm nachlesen. Unzählige langfingerige Waschbärspuren, rundliche Fuchspfoten und Spurem der Wildschweine, die durch den Teichboden gepflügt sind, Abdrücke von Reiher- und Kranichzehen und ab und zu vielleicht eine verspielte Otternspur. Mit Glück sogar eine Rutschbahn für Fischotter.

Viel spannende Entdeckungen, Bilder und Erlebnisse im Naturherbst wünschen Ihre Ranger der Naturwacht Brandenburg.


Text und Fotos: Roland Schulz

Nach oben