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Roland Schulz
Sachgebietsleiter Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 0331 / 97164-810
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Es ist 10.40 Uhr. Petra Schleif sitzt am feuchten Straßenrand und verpustet gerade ein, zwei Momente zwischen stachelbewehrten Brombeerranken und vorbei rauschenden Autos. Zwischen 10.30 und 11 Uhr hatten wir ein ganz knappes Telefoninterview vereinbart. Das es dann gar kein richtiges Interview wurde, lag einfach an Frau Schleif. Sie erzählte quicklebendig von ihren Erfahrungen, dass ich mit dem Mitschreiben kaum nachkam und Fragen ihren Erlebnisbericht eher gestört hätten. Zwischen all dem Mitschreiben noch der Gedankenfetzen: Eigentlich sollte ich auch da draußen sein und Tiere über die Straße tragen…
„Ich bin hier umzingelt von Kröten, Molchen und Fröschen. Das ist doch erstaunlich, was die paar Regentropfen in der Nacht so ausmachen. Bis jetzt habe ich heute 707 Tiere aus den Eimern entnommen und über die Straße getragen. Und ich bin noch nicht fertig. Das ist absoluter Rekord."
Auf die Frage, wie lange Petra Schleif schon als Freiwillige der Naturwacht für die Amphibien im Einsatz ist, kommt die überraschende Antwort: „Seit dem 17. März dieses Jahres“. Auslöser war ein Artikel der Naturwacht Hoher Fläming, in dem die Ranger um Hilfe bei der Rettung wandernder Amphibien baten. „Ich habe etwas überlegt, ob ich mir das leisten kann. Da war ja auch von einigen Stunden die Rede. Da wusste ich noch nicht, dass ich durch Gräben krieche, mich in Wildrosen verheddere und mit einem Bein am Straßenrand und dem anderen im Graben stehen werde. Das ist aber nichts dagegen, was diese kleinen Tiere hier auf ihrer Wanderung leisten. Die sind ja auch wirklich ganz entzückend.“ Von wegen kalten schleimigen Fröschen und ekligen warzigen Kröten aus dem Reich der Märchen.
Vielmehr Tierliebe pur und auch nicht irgendwie angekitscht. Sie blickt kurz auf ihre Zeitungslektüre am frühen Morgen zurück. Erzählt, dass nun ein Kondolenzbuch für den Eisbären Knut ausliege. „Naja, wenigstens interessieren sich einige Menschen überhaupt noch für Tiere.“ Auch wenn es sich dabei um einen verniedlichten Eisbären handelt, klingt zwischen den Zeilen durch. „Ich bin mit Tieren groß geworden.“ Mit Fröschen, mit Kröten. Molche allerdings habe sie hier bei ihrem Rettungseinsatz zum ersten Mal in den Händen gehalten.
Trotz ihrer Vorkenntnisse mit den zerbrechlichen Amphibien verlief der erste Tag als Helferin zunächst anders als erwartet: „Am ersten Tag beim ersten Eimer hat mich gleich die Panik gepackt“, lächelt sie rückblickend. „Die Tiere warten ja gar nicht brav auf ihre Rettung. Da wuselt es und ein Krötenmann hat sich gleich an ein Froschweib geklammert. Die Natur ist so vital und setzt sich durch.“ Da spricht anpackende Bewunderung mit.
Auf die Frage, ob sie ihren nicht immer einfachen Einsatz für die Tiere schon bereut habe, hätte ich gerne Petra Schleifs Blick gesehen: „Bei dem täglichen Wahnsinn, der hier an der B 107 stattfindet, da gibt es nix zu bereuen“, steht die Antwort felsenfest. „Am Anfang habe ich an einem Tag, an dem weniger los war, mal die Fahrzeuge gezählt. In einer halben Stunde sind 68 Stück - Lkw, Pkw, Trecker – vorbeigefahren. Vor 100 Jahren war hier vielleicht ein Sommerweg mit einem vorbei holpernden Pferdefuhrwerk in der Stunde. Heute bei dieser Verkehrsdichte haben die Tiere doch keine Chance mehr!“
Bevor ich bei all dem Mitschreiben meine nächste Frage formuliert habe, sind wir schon in der Weltgeschichte: „Der Mensch ist heute so erfolgreich, dass er alle Arten an die Wand drückt.“ Dabei hätten sich die Arten doch in Jahrmillionen perfekt an ihre Umwelt angepasst. Und dann sind wir am Ende. Oder besser beim Schlusssatz: „Ich will meinen Beitrag leisten, dass wenigstens Erdkröte, Grasfrosch und Teichmolch hier eine Zukunft haben und damit will ich einfach etwas gut machen.“ Das hat sie. Herzlichen Dank, Petra Schleif!
Möchten Sie auch als „Freiwilliger“ Tieren und Pflanzen in einem Gebiet ihrer Wahl helfen? Dann informieren Sie sich unverbindlich unter der Telefonummer 0331 – 97164-810 oder auf unserer Internetseite.
Das Gespräch führte Roland Schulz.